Donnerstag, 11. Februar 2010

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Mittwoch, 10. Februar 2010

Samstag, 30. Januar 2010

faire chance

zwischen samstag und sonntag, ein kirchturm in naher ferne schlägt mitternacht, ich stehe am offenen fenster und schaue auf den kleinen, dunklen garten im hinterhof hinaus.
keine spur vom mond heute, der himmel ist mit bleischweren, dunkelstgrauen wolken verhangen, die nacht fast schwarz, eisig kalt und dennoch gerade noch warm genug, dass es in strömen zu regnen vermag. ein hundewetter.
durch ein loch im dachkänel plätschert das wasser auf den balkon, ich zittere ein wenig, drücke meine zigarette aus und schliesse das fenster, der regen ist nur noch als dumpfes hintergrundrauschen wahrnehmbar.
ich gehe ins bad, benetze mein gesicht am wasserhahn, ziehe mit dem finger meine augen auf und rede mit dem spiegel.
"aber ich bin eigentlich schon ziemlich fertig, ausserdem schiffts wie aus kübeln, soll ich wirklich noch raus...?"
"komm schon, bist doch nicht aus zucker, oder? jetzt mach mal hin, vielleicht verpasst du eine wahnsinnsnacht, wenn du heute daheimbleibst...alleine schon der gerechtigkeit halber solltest du jeder nacht zumindest eine faire chance geben, eine, oder wer weiss, vielleicht sogar die nacht deines lebens zu werden. also hoppla!"
eigentlich hat er recht, eigentlich hat er immer recht, und diese augen, wer kann denen schon widerstehn.
und wieviele gute nächte haben sich erst nach einem bisweilen sogar schon überaus harzigen start als solche zu erkennen gegeben, wie oft lagen bett und buch zu beginn des abends nicht schon einiges näher als jacke und hose?
ich halte noch mal meinen kopf unters kalte wasser, wische mit der hand übers gesicht, und zucke heftig zusammen, als aus der badewanne nebendran plötzlich fidel castro auftaucht: "halt ein genosse, bevor dein bart nicht länger geworden ist, solltest du dein zimmer auf keinen fall verlassen!"
"klappe castro!" ruf ich ihm zurück, er verschwindet so schnell wie er erschienen ist, und zieh meine jacke an, die dem regen wohl nicht allzu lange trotzen wird, aber es ist nicht so, als dass ich eine wahl hätte.
ich packe eine flasche rotwein in  die tasche und ziehe die tür hinter mir zu.
mit schon klammen händen schliesse ich mein treues militärvelo auf und stelle fest, das der regen hier draussen um einiges stärker ist, als von drinnen vermutet. ich hätte castro die taucherbrille klauen sollen.
bereits nach wenigen metern kleben die hosen an meinen oberschenkeln und die spiegelglänzenden strassen sind wie leergespült, als ich durch die innenstadt radle, auf der suche nach ein wenig amusement und vielleicht der nacht meines lebens.

Freitag, 15. Januar 2010

on the rocks



der verkauf harter drogen an schulkinder als valable möglichkeit eines lukrativen nebenverdienstes scheint in zeiten der krise nun auch vom detailhandel entdeckt worden zu sein, ob diese kommende broker-generation den finanzkarren aus dem dreck zu ziehen vermag, bleibt allerdings abzuwarten.

Donnerstag, 14. Januar 2010

nacht am rhein

samstag nacht, weit nach zwölf.
die kneipe ist gerappelt voll, unzählige ellenbogen in meinem rücken kommen einer massage gleich und das bier, das in regelmässigen abständen verschüttet wird, hält meine lederjacke geschmeidig und anschmiegsam für jene köpfe, denen angesichts der raumsituation gar nichts anderers übrigbleibt.
ich zünde mir eine zigarette an, sanft und schummrig leuchtet die glut durch den dichten rauchnebel unter meiner nasenspitze hervor, als ich einen tiefen ersten zug nehme.
frische luft insofern, dass diesen rauch vor mir noch keiner eingeatmet hat, weshalb er zumindest frei von keimen und üblen mundgerüchen sein dürfte.
um mich herum kreisen laute worte wie satelliten, ich kämpfe mich zum ausgang durch, trete in die klare, klirrend kalte nachtluft hinaus und blase weissen rauch ins dunkle blau hinauf.
zäh und kühl fliesst der rhein vor mir durch, leise glitzernd, hinter einem schmiedeeisernen geländer eingepfercht, schiebt sich die schwarzglänzende masse langsam unter der brücke hindurch richtung hafen.
die winternacht hat bisher vergeblich versucht, ihn zu eis erstarren zu lassen, er bleibt stur, fliesst stoisch weiter, unbeindruckt von den menschen am ufer, dem verkehr auf der brücke und den bierflaschen, die in steter regelmässigkeit hineingeworffen werden, hin und wieder begleitet von einer vollen zigarettenschachtel und einem dreckigen lachen.
ich stütze mich aufs geländer, rauche, starre ins wasser. der rhein sieht glücklich aus heute nacht.
ich trete meine kippe auf dem boden aus, stelle das halbvolle bierglas daneben und klettere langsam und etwas umständlich auf das gestänge, balanciere auf der obersten strebe hin und her, gehe kurz in die knie und kraftvoll und elegant wie in einer duschmittelwerbung stosse ich mich ab, schwebe mit gestrecktem körper in voller spannung sicher über den schmalen ashpaltstreifen, der das untere ufer begrenzt und tauche mit einem leisen platscher ein ins dunkle nass.
der fluss zieht schwach, ich paddle zu seiner mitte hin, um den brückenpfeilern auszuweichen, die auf mich zukommen, drehe mich auf den rücken und schaue hoch zur unterseite der brücke, die sich als schwarzer balken vor den sternenhimmel dieser glasklaren nacht schiebt.
das wasser fühlt sich weich an, es trägt mich sicher, ich gebe mich dem strom hin und lasse mich vertrauensvoll treiben, harre dem ungewissen, das da kommen mag mit einer fast schon kindlichen neugier und geniesse die ruhe, während links und rechts von mir die lichter der stadt, fahrende autos und singende betrunkene an beiden ufern vorbeiziehen.
die stadt pulsiert und ich schwimme in ihrer hauptschlagader, von allem unberührt und gespannt, was diese nacht wohl noch zu bieten hat, während sich in meinem rücken ganz langsam bereits die ersten morgenstunden am himmel ankündigen und mir klar wird, dass ich keine frischen kleider dabeihabe.

Freitag, 1. Januar 2010

der erste eintrag des jahres

ist auch nicht mehr was er mal war. es kann noch aufwärts gehen. guets neus trotzdem.

Dienstag, 22. Dezember 2009

zugzwang

sonntag frühher abend, punkt sechzehn uhr.
es ist bitterkalt und ein eisiger wind treibt kleine schneeflocken vor sich her über den bahnsteig in ulm, wo ich mit unzähligen mitreisenden auf den zwei wagen langen zug richtung heimat warte, der nun einfährt.
die angst, keinen sitzplatz zu bekommen, ist mehr als berechtigt und lässt die leute auf die eingangstüren zustürmen, als würde dort der letzte glühwein verkauft und gleichzeitig ewige absolution erteilt. und gesündigt haben sie alle, die armen seelen, man siehts in ihren rotgefrorenen gesichtern.
ich laufe dem zug entlang zur vordersten türe, wo sich die aussteigenden mit den einsteigenden zanken, weil diese sie nicht aussteigen lassen bevor sie einsteigen, steige schliesslich selber ein, nachdem alle ausgestiegen sind und bekomme zwar weder glühwein noch absolution, dafür aber einen sitzplatz in allererster reihe, mit freiem blick über des lokführers schulter nach vorn.
in der zugfahrt kommt das der entdeckung einer dritten dimension gleich, eröffnet sich doch gleich eine ganz neue sicht auf die fahrstrecke, die man nur vom seitlichen blick aus dem fenster kennt.
das ist allerdings aber auch nur während etwa fünf minuten spannend, ausserdem wirds schnell dunkel und man sieht weder nach vorne noch auf der seite etwas und ich muss mir was anderes einfallen lassen, was die verbleibenden zweihundertfünfzehn minuten erträglich macht.
mit dem lauten, rasselnd brummenden geräusch einer kurz vor der lungenentzündung stehenden erkältung auf schienen schiesst die diesellok durch die nacht, die vibrationen lassen buchstaben und sätze vor meinen augen wild durcheinandertanzen und wenn er alle zehn minuten hält, steigen trockene personen ins schneegestöber und verschneite personen ins trockene, einzige konstante bleibt die überfüllung der waggons.
ich versuche zu schlafen, doch mein magen knurrt mit dem alten diesel um die wette, ausserdem hab ich durst, der zug ist total überheizt und staubtrocken.
ein schluck wasser und ein stück schokokuchen hab ich heut gegessen soweit, nicht gerade üppig, dazu sitzt mir ein kater im nackken und eine ältere dame neben mir, die apathisch löcher in die nacht starrt.
ich schliesse meine augen und stelle mir vor, sie wäre etwas frischer und attraktiv, würde mit mir flirten.
der zug ächzt, das schneetreiben draussen wird immer stärker und dicher. ich stehe auf und gehe zur toilette, zielsicher plätschert der urin von tausend bier in die schüssel während mir der kalte fahrtwind durchs offene fenster schnee ins genick bläst.
alsi ich zurückkomme ist die dame neben mir aufgestanden, ich mache mich breit und döse vor mich hin, als mich ein zackiges "ist der platz noch frei?!!" jäh aus dem halbschlaf hochschrecken lässt.
sauber gescheitelt blitzt er mich durch die rahmenlose brille aus 1.90m höhe an, und beginnt bereits vor meinem trägen nicken, sein gepäck in alphabetischer reihenfolge auf der ablage zu verstauen. "jawohl herr oberst!" denke ich mir, und frage mich, ob er sich vielleicht in eine attraktive dame verwandeln würde, würde ichs ihm nur mit genügend preussischer schneidigkeit befehlen.
ich lehne den kopf wieder ans fenster und sanft rüttelt mich der diesel in einen kurzen,, unruhigen schlaf.

Dienstag, 15. Dezember 2009

sonntagsblues 2010

sonntag abend, kurz nach sechs uhr.
ich sitze im zug aufs land, soeben ist dieser leise quietschend, zischend und in der ihm eigenen art furzend angerollt und schiebt sich immer schneller werdend unter dem kopfbau hindurch aus dem bahnhof in die blaue dunkelheit des tristen vorabends hinaus.
der sonntagabendblues meldet sich mit einem glockenschlag in die emotionale leistengegend, der den wagen erzittern lässt, ich spüre einen druck auf der brust und langsam beginnt sich ein wenig feuchtigkeit in meinen augen zu sammeln.
obwohl mein blick der lok um meilen voraus ist, ist schwer zu übersehen, dass mich die dame im abteil schräg gegenüber kritisch beäugt.
ja man sollte derlei in der öffentlichkeit besser zurückhalten als mann, man wirkt pathetisch, sensibel oder besten falls unglaublich tiefsinnig, für meinen teil wär ich jetzt aber am liebsten einfach besoffen, wenn ich denn wählen könnte.
ich hab ihn grosszügig ignoriert, als er vorhin auf den platz mir gegenüber gezeigt und mit leicht quäkender stimme gefragt hat, ob da "noch frei" sei, doch jetzt bringt mich dieser wohl knapp zehnjährige junge, der da mit seiner mama entgegen der fahrtrichtung sitzt und mich anglotzt auf andere gedanken.
es wäre allenfalls eine sanfte übertreibung, wenn ich sein gesicht als eines der hässlichsten kindergesichter des ausgehenden nullerjahrzents bezeichnen würde, unter dem dunkelblonden, leicht rötlichen haarschopf sitzen zwei kreisrunde, grosse und dennoch leicht dämmrige augen, dazwischen eine schweinchenase, die wohl unaufhörlich grippeviren produziert.
zwei füllige wangen umschliessen schliessliche einen stets halboffenen mund, der eine gewaltige lücke zwischen den zwei grossen, etwas vorstehenden vorderzähnen offenbart und damit einen grenzdebilen gesamteindruck unterstreicht, der ausserhalb von bilderbüchern eigentlich kaum zu vermuten wäre.
ein grausamer anblick.
vielleicht denkt er genau das über mich, wahrscheinlicher ist aber, dass er gar nicht denkt. er schaut mich einfach bloss an, mit diesen grossen, dümmlichen augen, sein blick scheint mich gleichzeitig zu durchdringen und gar nicht bis zu mir zu gelangen, er trifft mich auf jeden fall nicht, aber die einfalt, die er gebündelt in den ganzen wagen ausstrahlt, die tut mir nicht nur weh, sondern auch ein wenig leid. ich widme ihr ein tränchen, dass mir über die wange rollt und vom kinn auf die hose tropft.
ich schau ihn wieder an, müsste ich ihn taufen, lediglich mein respekt vor der lebenden kreatur könnte bewirken, dass ich ihm den vornamen "blödian" nur an zweiter, denn an eigentlich notwendiger erster stelle gäbe, ich müsste allerdings darauf bestehen, dass der als b. in seinem alltäglichen namen auftauchen würde.
dass seine liebende mama ihm einen andern namen gegeben hat, versteht sich von selbst, "bisch müed spätzli?" fährt sie ihm durchs haar und er beginnt in der weissen plastiktüte auf ihrem schoss zu nuscheln, fischt ein in folie eingeschweisstes, schwarzes pappschächtelchen heraus.
mama nimmts ihm aus den fingern und öffnets langsam und etwas ungeschickt, worauf er seine ganze aufmerksamkeit auf das daraus erscheinenden iphone zu richten beginnt, beide betasten es mit etwas klammen fingern und geben leise eigenartige geräusche von sich.
ich fühl mich frei für einen kurzen moment, doch plötzlich erinnert mich diese szenerie erschreckend klar an den anfang von 2001 und mir wird schlagartig bewusst, wer nun auf einmal in diesem abteil die rolle des stinkenden, missmutigen und kratzbürstigen affenmannauslaufmodels besetzen würde und wer dagegen den knochen der überlegenheit des 21. jahrhunderts in seinen tappigen händen hält. ist meine zeit gekommen?
der zug rollt davon gänzlich unbeeindruckt durch die endlos scheinende dunkelheit, er hört auf den namen flirt, doch zum glück kann er nicht sprechen.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

was sagt man denn dazu?




genau: fuck yeah! morgen die letzte lesung des jahres, wo di bueb dani L. nomal am start ist

Freitag, 27. November 2009

verständigungsprobleme II

mittwoch nachmittag, kurz nach fünf uhr.
mit dem wohlvertrauten "blunnng!", das mir seit meiner frühen kindheit einen sofortigen himbeertraubenzuckerpawlow beschert, öffnet sich die gläserne schiebetüre zügig und ich trete aus der dunklen lauwärme in die helle bollerhitze ein, schaue mich ein wenig verwirrt um, bis ich schliesslich vor ihr stehe.
ich lasse den blick nervös über den tresen, diverse regale und kleine pappausfsteller streifen, schaue sie an, sie runzelt die stirne, hebt die augenbrauen: "kommen sie zurecht? kann ich ihnen helfen?"
"äähhmmja...nein, mmdanke..." murmle ich stockend vor mich hin, das fieber macht mir zusehends stärker zu schaffen und ich huste etwas verlegen in meine armbeuge, um diese fast schon raoul dukeske situation zu überbrücken. was brauch ich eigentlich, was wollt ich schon wieder kaufen? brauch ich das wirklich?
"schweinegrippe!!" scheinen währenddessen die routinierten und dennoch leicht erschrockenen augen der apothekerin zu schreien, "zum glück bin ich schon geimpft, mit dem richtigen impfstoff, nicht dem für den gemeinen pöbel..."
ich seh nirgendwo was ich haben will, reisse mich wieder ein wenig zusammen und wische mir den schweiss und auch die farbe gleich mit vom gesicht, "ja ähhm...ich hätte gerne..ähmm...."
"keine sorge, als dein anwalt habe ich die lage bestens im griff und weiss genau, welche medizin dir nun weiterhelfen wird, mich schnell wieder loszuwerden, vertrau mir!" flüstert mir plötzlich augenzwinkernd doktor gonzo ins ohr, der langsam aus der linken seite meines halsansatzes heraus zu wachsen beginnt, während er sich bier über meinen bauch schüttet.
ich zucke zusammen, versuche ihn unauffällig unter meiner jacke zu verstecken, die apothekerin soll ihn bloss nicht sehen, sie würde mich wohl für verrückt halten. verlegen lächle ich sie an, sie lächelt professionell geduldig zurück.
"jaa...also was hätten sie denn gerne?" fragt sie noch einmal nach und ihrem blick kann ich entnehmen, wie jedes stottern und jedes innehalten meinerseits ihr mittlerweile förmlich physische schmerzen zuzufügen scheint und endlich fällt mir das ding ein, kurz darauf verlasse ich den laden.
das fieber hat nun zugeschlagen, die wenigen schritte nach hause fühlen sich flauschig an und die lichter der autos auf der strasse hinterlassen spuren in der dunkelheit wie bei einer langzeitbelichtung, ich laufe schneller.
schweinegrippe also nun doch? oder nur fieber und halsschmerzen? läuft das nicht aufs selbe hinaus? sollte ich mir jetzt sorgen machen? oder mich viel mehr darüber freuen, dass ich 2009 nun doch noch teil eines weltweiten medienerreignisses geworden bin, nachdem meine libyenreise im sommer ins wasser gefallen ist.
wieviel buchstabensuppe kann ein mensch eigentlich essen? und warum habe ich mir keine himbeertraubenzucker gekauft in der apotheke? "pschschschscht" macht die brausetablette im wasserglas und ich zieh mir die decke übern kopf.