genau: fuck yeah! morgen die letzte lesung des jahres, wo di bueb dani L. nomal am start ist
Mittwoch, 2. Dezember 2009
Freitag, 27. November 2009
verständigungsprobleme II
mittwoch nachmittag, kurz nach fünf uhr.
mit dem wohlvertrauten "blunnng!", das mir seit meiner frühen kindheit einen sofortigen himbeertraubenzuckerpawlow beschert, öffnet sich die gläserne schiebetüre zügig und ich trete aus der dunklen lauwärme in die helle bollerhitze ein, schaue mich ein wenig verwirrt um, bis ich schliesslich vor ihr stehe.
ich lasse den blick nervös über den tresen, diverse regale und kleine pappausfsteller streifen, schaue sie an, sie runzelt die stirne, hebt die augenbrauen: "kommen sie zurecht? kann ich ihnen helfen?"
"äähhmmja...nein, mmdanke..." murmle ich stockend vor mich hin, das fieber macht mir zusehends stärker zu schaffen und ich huste etwas verlegen in meine armbeuge, um diese fast schon raoul dukeske situation zu überbrücken. was brauch ich eigentlich, was wollt ich schon wieder kaufen? brauch ich das wirklich?
"schweinegrippe!!" scheinen währenddessen die routinierten und dennoch leicht erschrockenen augen der apothekerin zu schreien, "zum glück bin ich schon geimpft, mit dem richtigen impfstoff, nicht dem für den gemeinen pöbel..."
ich seh nirgendwo was ich haben will, reisse mich wieder ein wenig zusammen und wische mir den schweiss und auch die farbe gleich mit vom gesicht, "ja ähhm...ich hätte gerne..ähmm...."
"keine sorge, als dein anwalt habe ich die lage bestens im griff und weiss genau, welche medizin dir nun weiterhelfen wird, mich schnell wieder loszuwerden, vertrau mir!" flüstert mir plötzlich augenzwinkernd doktor gonzo ins ohr, der langsam aus der linken seite meines halsansatzes heraus zu wachsen beginnt, während er sich bier über meinen bauch schüttet.
ich zucke zusammen, versuche ihn unauffällig unter meiner jacke zu verstecken, die apothekerin soll ihn bloss nicht sehen, sie würde mich wohl für verrückt halten. verlegen lächle ich sie an, sie lächelt professionell geduldig zurück.
"jaa...also was hätten sie denn gerne?" fragt sie noch einmal nach und ihrem blick kann ich entnehmen, wie jedes stottern und jedes innehalten meinerseits ihr mittlerweile förmlich physische schmerzen zuzufügen scheint und endlich fällt mir das ding ein, kurz darauf verlasse ich den laden.
das fieber hat nun zugeschlagen, die wenigen schritte nach hause fühlen sich flauschig an und die lichter der autos auf der strasse hinterlassen spuren in der dunkelheit wie bei einer langzeitbelichtung, ich laufe schneller.
schweinegrippe also nun doch? oder nur fieber und halsschmerzen? läuft das nicht aufs selbe hinaus? sollte ich mir jetzt sorgen machen? oder mich viel mehr darüber freuen, dass ich 2009 nun doch noch teil eines weltweiten medienerreignisses geworden bin, nachdem meine libyenreise im sommer ins wasser gefallen ist.
wieviel buchstabensuppe kann ein mensch eigentlich essen? und warum habe ich mir keine himbeertraubenzucker gekauft in der apotheke? "pschschschscht" macht die brausetablette im wasserglas und ich zieh mir die decke übern kopf.
mit dem wohlvertrauten "blunnng!", das mir seit meiner frühen kindheit einen sofortigen himbeertraubenzuckerpawlow beschert, öffnet sich die gläserne schiebetüre zügig und ich trete aus der dunklen lauwärme in die helle bollerhitze ein, schaue mich ein wenig verwirrt um, bis ich schliesslich vor ihr stehe.
ich lasse den blick nervös über den tresen, diverse regale und kleine pappausfsteller streifen, schaue sie an, sie runzelt die stirne, hebt die augenbrauen: "kommen sie zurecht? kann ich ihnen helfen?"
"äähhmmja...nein, mmdanke..." murmle ich stockend vor mich hin, das fieber macht mir zusehends stärker zu schaffen und ich huste etwas verlegen in meine armbeuge, um diese fast schon raoul dukeske situation zu überbrücken. was brauch ich eigentlich, was wollt ich schon wieder kaufen? brauch ich das wirklich?
"schweinegrippe!!" scheinen währenddessen die routinierten und dennoch leicht erschrockenen augen der apothekerin zu schreien, "zum glück bin ich schon geimpft, mit dem richtigen impfstoff, nicht dem für den gemeinen pöbel..."
ich seh nirgendwo was ich haben will, reisse mich wieder ein wenig zusammen und wische mir den schweiss und auch die farbe gleich mit vom gesicht, "ja ähhm...ich hätte gerne..ähmm...."
"keine sorge, als dein anwalt habe ich die lage bestens im griff und weiss genau, welche medizin dir nun weiterhelfen wird, mich schnell wieder loszuwerden, vertrau mir!" flüstert mir plötzlich augenzwinkernd doktor gonzo ins ohr, der langsam aus der linken seite meines halsansatzes heraus zu wachsen beginnt, während er sich bier über meinen bauch schüttet.
ich zucke zusammen, versuche ihn unauffällig unter meiner jacke zu verstecken, die apothekerin soll ihn bloss nicht sehen, sie würde mich wohl für verrückt halten. verlegen lächle ich sie an, sie lächelt professionell geduldig zurück.
"jaa...also was hätten sie denn gerne?" fragt sie noch einmal nach und ihrem blick kann ich entnehmen, wie jedes stottern und jedes innehalten meinerseits ihr mittlerweile förmlich physische schmerzen zuzufügen scheint und endlich fällt mir das ding ein, kurz darauf verlasse ich den laden.
das fieber hat nun zugeschlagen, die wenigen schritte nach hause fühlen sich flauschig an und die lichter der autos auf der strasse hinterlassen spuren in der dunkelheit wie bei einer langzeitbelichtung, ich laufe schneller.
schweinegrippe also nun doch? oder nur fieber und halsschmerzen? läuft das nicht aufs selbe hinaus? sollte ich mir jetzt sorgen machen? oder mich viel mehr darüber freuen, dass ich 2009 nun doch noch teil eines weltweiten medienerreignisses geworden bin, nachdem meine libyenreise im sommer ins wasser gefallen ist.
wieviel buchstabensuppe kann ein mensch eigentlich essen? und warum habe ich mir keine himbeertraubenzucker gekauft in der apotheke? "pschschschscht" macht die brausetablette im wasserglas und ich zieh mir die decke übern kopf.
Montag, 23. November 2009
faq
-warum schreibst du eigentlich so wenig in letzter zeit? und wann gibts wieder postkarten?
-ja stimmt, postkarten wurden rarer, dafür um so wertvoller, aber um der wahrheit mal ungeschminkt ins gesicht zu schauen, ja ich bin faul und inspirationslos geworden, und wenn ich schon nicht lustig, traurig, unterhaltsam, tief oder originell bin, dann bist jetzt du am zug: gesucht ist das beste rezept gegen schreibblockade, und weil du dir die mühe nicht umsonst machen sollst, wird die mit dem exklusiven dani L.-adventskalender (der zwei fliegen mit einer klappe, post und während 24 tagen täglich neues von mir, schlägt) belohnt, limitiert auf ein einziges exemplar. sollten alle vorschläge nur mittelmässig sein, entscheidet ein vollkommen undurchsichtiges, auf totaler willkür und meiner augenblicklichen gemütsverfassung basierendes auswahlverfahren.
-ja stimmt, postkarten wurden rarer, dafür um so wertvoller, aber um der wahrheit mal ungeschminkt ins gesicht zu schauen, ja ich bin faul und inspirationslos geworden, und wenn ich schon nicht lustig, traurig, unterhaltsam, tief oder originell bin, dann bist jetzt du am zug: gesucht ist das beste rezept gegen schreibblockade, und weil du dir die mühe nicht umsonst machen sollst, wird die mit dem exklusiven dani L.-adventskalender (der zwei fliegen mit einer klappe, post und während 24 tagen täglich neues von mir, schlägt) belohnt, limitiert auf ein einziges exemplar. sollten alle vorschläge nur mittelmässig sein, entscheidet ein vollkommen undurchsichtiges, auf totaler willkür und meiner augenblicklichen gemütsverfassung basierendes auswahlverfahren.
Samstag, 21. November 2009
verständigungsprobleme
freitagnachmittag, halb fünf, zürich.
ich bin müde, träge und ein wenig langsam, sitze in einer schummrig beleuchteten bar mit knarrendem holzboden, meine platzwahl ist allerdings eher ungünstig. zu nahe an der tür, es zieht, nicht ungefährlich in pandemiezeiten.
das lokal ist ansonsten leer, es ist nicht so dass ich nicht an einen andern tisch wechseln könnte, aber naja, jetzt sitz ich schon und bin ausserordentlich faul gerade, beschliesse, der schweinegrippe die kalte schulter zu zeigen.
die aufmerksame servicedame steht rasch mit einem einem freundlichen lächeln vor mir, ich bestelle den üblichen espresso mit einem glas wasser, sie versteht mich nicht.
ich muss mich zweimal wiederholen, sie lacht, schüttelt den kopf, entschuldigt sich.
ich sehs ihr nach, denn ich bin grad ein wenig in mich gekehrt und in diesen zuständen neige ich zum nuscheln, würde mich kaum selber verstehen, wüsste ich nicht, wass ich sagen will.
der kaffee und das gedimmte licht liefern sich einen kurzen, leichten schlagabtausch um meine aufmerksamkeit, das licht gewinnt mit der schützenhilfe der dunkelbraunen einrichtung, meine augenlider werden zunehmend schwerer. mit einer leichten nervosität darf der kaffee aber immerhin einen achtungserfolg auf seiner seite verbuchen.
meine augen klappen zu, ich sitz wieder im zug nach zürich heute morgen, der waggon ist fest in silberner hand. es riecht nach kölnisch wasser und rheumasalben, hinter mir singt einer laut und einsam: "jaja der chiantiwein, er lädt uns alle ein, er lädt uns alle ein zum fröhlich sein..!" ich freu mich mit ihm, dass er fröhlich ist, aber auch mit mir, dass ich nicht dem stande der berufstrinker angehöre, die morgens schon blau sind. augen auf.
der herr, der jetzt am tresen die bardame in italienisch, spanisch und ein wenig deutsch zuquasselt hätte ganz gut in diese gesellschaft gepasst. wieder versteht sie kein wort, die arme. beruht wohl ein grosser teil der verständigungsproblematik zwischen männern und frauen darauf, dass männer entweder betrunken sind oder nuscheln? aber frauen nuscheln doch auch manchmal, auch wenn ihnen der bart dazu fehlt, den meisten zumindest. dafür haben sie haare auf den zähnen, einige zumindest.
ich lächle still und ein wenig matt vor mich hin, bestelle ein guiness, achte darauf, nicht zu nuscheln. zur belohnung malt sie mir ein shamrock in die schaumkrone.
der erste schluck verfehlt seine wirkung nicht, das tut er niemals, sofort versetzt er mein gehirn in diesen schockgefrierzustand für einige sekundenbruchteile, immerhin bin ich jetzt wach, die nacht kann kommen, dunkel ists mittlerweile auch draussen.
ich bin müde, träge und ein wenig langsam, sitze in einer schummrig beleuchteten bar mit knarrendem holzboden, meine platzwahl ist allerdings eher ungünstig. zu nahe an der tür, es zieht, nicht ungefährlich in pandemiezeiten.
das lokal ist ansonsten leer, es ist nicht so dass ich nicht an einen andern tisch wechseln könnte, aber naja, jetzt sitz ich schon und bin ausserordentlich faul gerade, beschliesse, der schweinegrippe die kalte schulter zu zeigen.
die aufmerksame servicedame steht rasch mit einem einem freundlichen lächeln vor mir, ich bestelle den üblichen espresso mit einem glas wasser, sie versteht mich nicht.
ich muss mich zweimal wiederholen, sie lacht, schüttelt den kopf, entschuldigt sich.
ich sehs ihr nach, denn ich bin grad ein wenig in mich gekehrt und in diesen zuständen neige ich zum nuscheln, würde mich kaum selber verstehen, wüsste ich nicht, wass ich sagen will.
der kaffee und das gedimmte licht liefern sich einen kurzen, leichten schlagabtausch um meine aufmerksamkeit, das licht gewinnt mit der schützenhilfe der dunkelbraunen einrichtung, meine augenlider werden zunehmend schwerer. mit einer leichten nervosität darf der kaffee aber immerhin einen achtungserfolg auf seiner seite verbuchen.
meine augen klappen zu, ich sitz wieder im zug nach zürich heute morgen, der waggon ist fest in silberner hand. es riecht nach kölnisch wasser und rheumasalben, hinter mir singt einer laut und einsam: "jaja der chiantiwein, er lädt uns alle ein, er lädt uns alle ein zum fröhlich sein..!" ich freu mich mit ihm, dass er fröhlich ist, aber auch mit mir, dass ich nicht dem stande der berufstrinker angehöre, die morgens schon blau sind. augen auf.
der herr, der jetzt am tresen die bardame in italienisch, spanisch und ein wenig deutsch zuquasselt hätte ganz gut in diese gesellschaft gepasst. wieder versteht sie kein wort, die arme. beruht wohl ein grosser teil der verständigungsproblematik zwischen männern und frauen darauf, dass männer entweder betrunken sind oder nuscheln? aber frauen nuscheln doch auch manchmal, auch wenn ihnen der bart dazu fehlt, den meisten zumindest. dafür haben sie haare auf den zähnen, einige zumindest.
ich lächle still und ein wenig matt vor mich hin, bestelle ein guiness, achte darauf, nicht zu nuscheln. zur belohnung malt sie mir ein shamrock in die schaumkrone.
der erste schluck verfehlt seine wirkung nicht, das tut er niemals, sofort versetzt er mein gehirn in diesen schockgefrierzustand für einige sekundenbruchteile, immerhin bin ich jetzt wach, die nacht kann kommen, dunkel ists mittlerweile auch draussen.
Dienstag, 17. November 2009
die lesung III
Trailer: "mit einem Hauch von Zimt" from Deef Pirmasens on Vimeo.
weil bald weihnachten ist, dieses mal mit deef pirmasens, tobias heitzer, die diva, volker keidel und felix bonke.
Montag, 9. November 2009
Montag, 2. November 2009
retrochic zur winterzeit
wie jedes jahr, wenn die tage wieder ein wenig frischer, kürzer und dunkler werden, bin ich mit fernglas und notizblock unterwegs, um die modetrends für die kalte jahreszeit zu erscouten.
dieses mal fündig geworden auf der basler herbstmesse, wo der flippige gelbe stern, auf jacke oder pullover ein revival feiern darf. wie werden die designer darauf reagieren? man darf gespannt sein.
dieses mal fündig geworden auf der basler herbstmesse, wo der flippige gelbe stern, auf jacke oder pullover ein revival feiern darf. wie werden die designer darauf reagieren? man darf gespannt sein.
Donnerstag, 15. Oktober 2009
Montag, 12. Oktober 2009
bei sonnenaufgang (nachgereicht)
früher morgen, kurz vor sieben.
die sonne strengt sich an, mit warmen goldenen strahlen die leichte, flauschige wolkendecke in die ecke zu schicken und ich stehe noch etwas steif an der tramhaltestellen
warte. den kaffeeduft noch in der nase.
der sand aus den augen knirscht zwischen den zähnen, die trockene zunge klebt am gaumen und ich muss jeden schritt von neuem koordinieren, automatismen und reflexe liegen noch im bett und kommen erst im laufe des tages nach.
zu spät, aber zuverlässig.
wie mein tram, dass da endlich charmant klappernd und scheppernd um die ecke gerasselt kommt und sich mit blitzen von seinem stromabnehmer wichtiger macht, als es eigentlich wäre.
mit dem vetrauten ächzen alten eisens bleibt es vor mir stehen und ein paar sanfte weisse rauchwölkchen steigen von den gleisen auf, hüllen den boden in ein weiches nebelmeer, dem ich in das innere der bahn entsteige.
ich habe einen stammplatz, der dritte sitz von vorne links. und wie immer ist er besetzt.
ich muss mir also einen anderen platz suchen und entgegen meinen gewohnheiten, sitze ich heute auch entgegen der fahrtrichtung, weshalb ich den gesamten wagen im blick, statt wie üblich im rücken habe.
zum ersten mal fällt mir ausserdem auch dieses schild auf:
„bitte nicht auf den boden spucken!“, und ich schlucke die sandige pappe in meinem mund folgsam, aber etwas widerwillig runter. es kratzt im hals.
mit einem klingeln setzt sich das tram langsam ratternd in bewegung, es erinnert in diesem moment vor allem an einen dieser kleinen tante emma-läden, die in kinderzimmern stehen, und wo der hans seinem kleinen bruder keine 1.50 für den zucker bezahlen will, sondern ihm stattdessen eins aufs maul haut und sich den zucker direkt an der quelle, nämlich bei mama holt.
denn die hat sowieso mehr davon und obendrein noch gratis, und so machen beide ihre ersten erfahrungen mit dem kapitalismus 1.0.
wie das tram an fahrt gewinnt lasse ich meinen blick nach hinten durch den wagen wandern, im eleganten slalom um ausnahmslos graue menschen mit grauen gesichtern und finsteren mienen.
verdutzt stelle ich ausserdem fest, dass sich das hintere ende der bahn offenbar gar nicht in bewegung gestetzt zu haben scheint, weshalb der wagen immer länger wird und sich vor mir ein stetig tiefer werdender korridor mit einer wachsenden armee grauer, regungsloser, im besten falle leicht mit der zeitung raschelnder gestalten auftut, dessen ende schon gar nicht mehr zu erkennen im dunkel verschwindet.
ich bekomme es ein wenig mit der panik zu tun, bleibe aber dennoch gefasst.
ist das immer so?
oder sind die nur grau, wenn ich hinsehe?
was spielte sich da bisher hinter meinem rücken wirklich ab?
ich versuche mich mit einem blick aus dem fenster abzulenken und entdecke darin plötzlich die spiegelung meines eigenen antlitzes:
düster, ein wenig böse, ernst, missmutig. mundwinkel tiefer als aktienkurse, augen überschattet und klein wie die hoffnung auf einen wiederanstieg derselben.
der zusammenhang ist offensichtlich und schiesst mir mit einem weiteren blitz vom stromabnehmer in den kopf:
wie sollen denn all diese leute hier auch anders als miesepetrig drauf sein, wenn ich hier vorne hocke mit einem gesicht wie nach einem herzhaften biss in eine unreife zitrone?
direkt mir gegenüber sitzt eine frau ende 20, schönes gesicht, süsse nase, weiche lippen, ausdruckslose dunkle augen.
die rötlich schimmernden haare zu einem strengen knoten hinter ihrem kopf zusammengezwirbelt, enges graues jacket, kurzer schwarzer rock.
mir wird sofort klar, dass da handlungsbedarf besteht. ich glätte die falten auf meiner stirn, hebe die augenbrauen, lächle sie an.
keine reaktion.
doch. sie dreht sich weg.
jetzt bloss nicht aufgeben. sie schaut wieder her, ich zwinkere ihr zu. lächle.
langsam beginnen ihre mundwinkel sanft zu beben und mit einem leichten „blob“ springen ihre lippen in ein lächeln, ihr augen leuchten, ich strahle sie an und mit einem gewaltigen knall fliegen ihr die knöpfe vom jacket, es fällt zu boden und darunter kommen wohlgeformte, straffe brüste in einem neonpink leuchtenden bh zum vorschein, an dessen runden spitzen je ein cocktailschirmchen aufspringt.
ich bin nur kurz geblendet, die restlichen passagiere fallen nun wie dominosteine, reissen sich in bester laune die kleider vom leib, fallen in greller unterwäsche übereinander her und gerade wie die dame auf mich draufspringt, sehe ich rasend schnell das ende des trams von hinten nahen. gnadenlos frisst es all die grauen figuren, die von dem genauso plötzlichen, wie unerklärlichen stimmungswandel unbeeindruckt blieben und kaum hat der wagen wieder seinen normlänge erreicht, bleibt das tram auch schon stehen.
die dame fällt von meinem schoss und zerbricht dabei eines ihrer schirmchen.
ich stehe auf, ziehe kurz den hut und steige aus, meine haltestelle.
draussen knöpfe ich mir die hose zu, richte mein hemd und ohne genau zu wissen, was denn nun eigentlich gerade passiert sei, bin ich mir doch ziemlich sicher, mich gerade als retter des morgens und somit held des alltags für alle jene leute im tram verdient gemacht zu haben.
mit stolz geschwellter brust schaue ich den verschwindenden waggons nach, in denen es unmittelbar nach meinem aussteigen sofort zu regnen begonnen hat, und gehe pfeifend meiner wege in die aufgehende sonne.
die sonne strengt sich an, mit warmen goldenen strahlen die leichte, flauschige wolkendecke in die ecke zu schicken und ich stehe noch etwas steif an der tramhaltestellen
warte. den kaffeeduft noch in der nase.
der sand aus den augen knirscht zwischen den zähnen, die trockene zunge klebt am gaumen und ich muss jeden schritt von neuem koordinieren, automatismen und reflexe liegen noch im bett und kommen erst im laufe des tages nach.
zu spät, aber zuverlässig.
wie mein tram, dass da endlich charmant klappernd und scheppernd um die ecke gerasselt kommt und sich mit blitzen von seinem stromabnehmer wichtiger macht, als es eigentlich wäre.
mit dem vetrauten ächzen alten eisens bleibt es vor mir stehen und ein paar sanfte weisse rauchwölkchen steigen von den gleisen auf, hüllen den boden in ein weiches nebelmeer, dem ich in das innere der bahn entsteige.
ich habe einen stammplatz, der dritte sitz von vorne links. und wie immer ist er besetzt.
ich muss mir also einen anderen platz suchen und entgegen meinen gewohnheiten, sitze ich heute auch entgegen der fahrtrichtung, weshalb ich den gesamten wagen im blick, statt wie üblich im rücken habe.
zum ersten mal fällt mir ausserdem auch dieses schild auf:
„bitte nicht auf den boden spucken!“, und ich schlucke die sandige pappe in meinem mund folgsam, aber etwas widerwillig runter. es kratzt im hals.
mit einem klingeln setzt sich das tram langsam ratternd in bewegung, es erinnert in diesem moment vor allem an einen dieser kleinen tante emma-läden, die in kinderzimmern stehen, und wo der hans seinem kleinen bruder keine 1.50 für den zucker bezahlen will, sondern ihm stattdessen eins aufs maul haut und sich den zucker direkt an der quelle, nämlich bei mama holt.
denn die hat sowieso mehr davon und obendrein noch gratis, und so machen beide ihre ersten erfahrungen mit dem kapitalismus 1.0.
wie das tram an fahrt gewinnt lasse ich meinen blick nach hinten durch den wagen wandern, im eleganten slalom um ausnahmslos graue menschen mit grauen gesichtern und finsteren mienen.
verdutzt stelle ich ausserdem fest, dass sich das hintere ende der bahn offenbar gar nicht in bewegung gestetzt zu haben scheint, weshalb der wagen immer länger wird und sich vor mir ein stetig tiefer werdender korridor mit einer wachsenden armee grauer, regungsloser, im besten falle leicht mit der zeitung raschelnder gestalten auftut, dessen ende schon gar nicht mehr zu erkennen im dunkel verschwindet.
ich bekomme es ein wenig mit der panik zu tun, bleibe aber dennoch gefasst.
ist das immer so?
oder sind die nur grau, wenn ich hinsehe?
was spielte sich da bisher hinter meinem rücken wirklich ab?
ich versuche mich mit einem blick aus dem fenster abzulenken und entdecke darin plötzlich die spiegelung meines eigenen antlitzes:
düster, ein wenig böse, ernst, missmutig. mundwinkel tiefer als aktienkurse, augen überschattet und klein wie die hoffnung auf einen wiederanstieg derselben.
der zusammenhang ist offensichtlich und schiesst mir mit einem weiteren blitz vom stromabnehmer in den kopf:
wie sollen denn all diese leute hier auch anders als miesepetrig drauf sein, wenn ich hier vorne hocke mit einem gesicht wie nach einem herzhaften biss in eine unreife zitrone?
direkt mir gegenüber sitzt eine frau ende 20, schönes gesicht, süsse nase, weiche lippen, ausdruckslose dunkle augen.
die rötlich schimmernden haare zu einem strengen knoten hinter ihrem kopf zusammengezwirbelt, enges graues jacket, kurzer schwarzer rock.
mir wird sofort klar, dass da handlungsbedarf besteht. ich glätte die falten auf meiner stirn, hebe die augenbrauen, lächle sie an.
keine reaktion.
doch. sie dreht sich weg.
jetzt bloss nicht aufgeben. sie schaut wieder her, ich zwinkere ihr zu. lächle.
langsam beginnen ihre mundwinkel sanft zu beben und mit einem leichten „blob“ springen ihre lippen in ein lächeln, ihr augen leuchten, ich strahle sie an und mit einem gewaltigen knall fliegen ihr die knöpfe vom jacket, es fällt zu boden und darunter kommen wohlgeformte, straffe brüste in einem neonpink leuchtenden bh zum vorschein, an dessen runden spitzen je ein cocktailschirmchen aufspringt.
ich bin nur kurz geblendet, die restlichen passagiere fallen nun wie dominosteine, reissen sich in bester laune die kleider vom leib, fallen in greller unterwäsche übereinander her und gerade wie die dame auf mich draufspringt, sehe ich rasend schnell das ende des trams von hinten nahen. gnadenlos frisst es all die grauen figuren, die von dem genauso plötzlichen, wie unerklärlichen stimmungswandel unbeeindruckt blieben und kaum hat der wagen wieder seinen normlänge erreicht, bleibt das tram auch schon stehen.
die dame fällt von meinem schoss und zerbricht dabei eines ihrer schirmchen.
ich stehe auf, ziehe kurz den hut und steige aus, meine haltestelle.
draussen knöpfe ich mir die hose zu, richte mein hemd und ohne genau zu wissen, was denn nun eigentlich gerade passiert sei, bin ich mir doch ziemlich sicher, mich gerade als retter des morgens und somit held des alltags für alle jene leute im tram verdient gemacht zu haben.
mit stolz geschwellter brust schaue ich den verschwindenden waggons nach, in denen es unmittelbar nach meinem aussteigen sofort zu regnen begonnen hat, und gehe pfeifend meiner wege in die aufgehende sonne.
Mittwoch, 7. Oktober 2009
besten dank dafür
...dass du die lesung bestens organisiert und souverän durchgezogen hast
...dass du mich nach und durch münchen begleitet hast
...dass du klasse visuals geliefert hast
...dass du mit mir gelesen hast
...dass du mich mit getränken versorgt hast
...dass du fotos geschossen hast
...dass du eintritt bezahlt, applaudiert, gejubelt, geseuzft, kritisiert, getrunken und dich ein wenig in mich verguckt hast
...dass du gesagt hast, es hätte dir gefallen
...dass ihr alle das nächste mal wieder auf der matte steht
...dass du mich nach und durch münchen begleitet hast
...dass du klasse visuals geliefert hast
...dass du mit mir gelesen hast
...dass du mich mit getränken versorgt hast
...dass du fotos geschossen hast
...dass du eintritt bezahlt, applaudiert, gejubelt, geseuzft, kritisiert, getrunken und dich ein wenig in mich verguckt hast
...dass du gesagt hast, es hätte dir gefallen
...dass ihr alle das nächste mal wieder auf der matte steht
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