ich bin getroffen. ich habe keine ahnung wo der jetzt her kam, aber es war auf jeden fall ein volltreffer. der wind pfeift mir kalt und bissig ins gesicht, die glaskabinenhaube wurde ebenso weggerissen wie das seitenruder, der linke flügel und teile der rumpfverkleidung, steuerlos fällt mein einsitzer kreischend durch die wolkendecke und die erde kommt immer schneller auf mich zu.
ich rolle, überschlage mich, versuche das ding einigermassen geradezuhalten, nichts geht mehr. aussteigen? fehlanzeige, meine einzige hoffnung ist der fluss, der mitten durch die halbzerstörte stadt fliesst, wenn ich im richtigen winkel auftreffe und er tief genug ist, habe ich vielleicht eine chance zu überleben.
teile des motor platzen weg, heisses öl spritzt mir ins gesicht, brennt und stinkt, ich stürze auf den fluss zu, sekundenbruchteile bis zum aufprall, ich schliesse die augen, kneife die arschbacken zusammen, schreie mir die lunge aus dem leib, kralle mich mit füssen und händen im cockpit fest, plop!
es drückt mich tief und heftig in den sitz, die maschine trifft flach mit der bauchseite auf das wasser auf, taucht keinen halben meter ein und wird dann wieder hochgeschleudert, als sei dieses gewässer ein einziges, fliessendes trampolin.
ich öffne die augen, hüpfe vorbei an den halbzerstörten münsterzwillingstürmen, lande wieder im fluss, wasser spritzt ins cockpit.
der bordeauxrote himmel spiegelt sich auf der ruhigen wasseroberfläche, ich bleibe im schwimmenden wrack sitzen, treibe langsam und friedlich flussabwärts durch die stadt, es ist brütend heiss und um mich herum herrscht krieg. ich schwitze.
schwarz erheben sich immer wieder hochhausruinen im gegenlicht, teils von dicken rauchschwaden verdeckt, erzittern unter gelegentlich einschlagenden granaten, einige bröckeln an den seiten, andere stürzen vollends ein.
bewaffnete männer rennen durch die strassen, schiessen, suchen deckung, finden keine und werden erschossen, sterben dramatische tode mitten auf der strasse, körper bäumen sich auf in feuerschein und kugelhagel, werfen gewehre von sich und dutzende von kriegsfotografen sehen vom hotelfenster aus zu, wie ihnen der internationale durchbruch mit dem bild des jahres durch die lappen geht, weil sie ihre gesamte fotoausrüstung längst für prostituierte eingetauscht haben und die handykamera über kein teleobjektiv verfügt.
ich bleibe verhältnismässig unbeteiligt, mit einem knackigen "klannnnng!" durschlägt hin und wieder ein querschläger den rumpf meiner maschine und ich ducke mich dann jeweils ein wenig tiefer ins cockpit, ansonsten treibe ich weiterhin ruhig auf dem wasser, beobachte die szenen um mich herum, zucke zusammen als nicht weit vom fluss ein flugzeug an einem gebäude zerschellt.
ich drehe meinen kopf weg, erblicke auf der anderen uferseite einen kleinen hügel aus trümmern mitten im gefecht, darauf drei ältere männer, zwei in braunen und einer in weisser uniform.
während der kleine braune heftig gestikuliert beobachtet der weisse die kämpfe durch ein fernglas und in den spiegelnden instrumenten im cockpit sehe ich aus den augenwinkeln mein gesicht hellgrün werden, als er das glas von den augen nimmt und ich adolf hitler erkenne. was macht der denn da?
hat ihm den keiner gesagt, dass diese sache längst gelaufen ist? das ist gar nicht sein krieg und warum ist der überhaupt hier draussen? warum wird er nicht von den andern erschossen, ja nicht einmal beachtet? hätte er sich nicht schon längst selbst erschossen haben sollen?
ich fahre an ihm vorbei, habe ihn schon fast ausser sichtweite als das eichhörnchen mit dem riesigen, feuerrot leuchtenden schweif, das die ganze zeit schon auf dem dach des benachbarten hauses gehockt hat, dem führer urplötzlich vor die füsse springt, flink sein linkes bein erklimmt und ihm tief ins die eichel beisst. er schreit auf, ein dunkelroter blutfleck breitet sich schnell auf der weissen hose aus, er geht zu boden, versucht noch im fallen das eichhörnchen mit dem fernglas zu erschlagen, doch verfehlt.
langsam scheine ich die stadt zu verlassen, es wird deutlich kühler, der himmel verfärbt sich zunehmend lila, die gefechte werden schwächer und ich schwimme auf ein grosses delta zu, wo der fluss ins meer zu münden scheint, vor dem mein flugzeug auf einmal abrupt steckenbleibt.
das wasser scheint von einer dicken schokoladenglasur überzogen zu sein, ich steige aus dem zerschossenen flugzeugrumpf und versuche vorsichtig mit der stiefelspitze den stand zu überprüfen.
ich sinke tatsächlich nicht ein, es muss sich um einen festen, nicht allzu feuchten schokokuchen handeln, der da aus unerfindlichen gründen unter der glasur das flussbett ausfüllt und erst jetzt merke ich, wie hungrig ich mittlerweile eigentlich bin.
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1 Kommentare:
yeahyeahyeah! hier kannst dir sachen gratis runterladen von mir (angela aux):
www.laridae.at
so in der art könnt das dann auch sein...
viele grüße,
flo
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