Samstag, 30. Januar 2010

faire chance

zwischen samstag und sonntag, ein kirchturm in naher ferne schlägt mitternacht, ich stehe am offenen fenster und schaue auf den kleinen, dunklen garten im hinterhof hinaus.
keine spur vom mond heute, der himmel ist mit bleischweren, dunkelstgrauen wolken verhangen, die nacht fast schwarz, eisig kalt und dennoch gerade noch warm genug, dass es in strömen zu regnen vermag. ein hundewetter.
durch ein loch im dachkänel plätschert das wasser auf den balkon, ich zittere ein wenig, drücke meine zigarette aus und schliesse das fenster, der regen ist nur noch als dumpfes hintergrundrauschen wahrnehmbar.
ich gehe ins bad, benetze mein gesicht am wasserhahn, ziehe mit dem finger meine augen auf und rede mit dem spiegel.
"aber ich bin eigentlich schon ziemlich fertig, ausserdem schiffts wie aus kübeln, soll ich wirklich noch raus...?"
"komm schon, bist doch nicht aus zucker, oder? jetzt mach mal hin, vielleicht verpasst du eine wahnsinnsnacht, wenn du heute daheimbleibst...alleine schon der gerechtigkeit halber solltest du jeder nacht zumindest eine faire chance geben, eine, oder wer weiss, vielleicht sogar die nacht deines lebens zu werden. also hoppla!"
eigentlich hat er recht, eigentlich hat er immer recht, und diese augen, wer kann denen schon widerstehn.
und wieviele gute nächte haben sich erst nach einem bisweilen sogar schon überaus harzigen start als solche zu erkennen gegeben, wie oft lagen bett und buch zu beginn des abends nicht schon einiges näher als jacke und hose?
ich halte noch mal meinen kopf unters kalte wasser, wische mit der hand übers gesicht, und zucke heftig zusammen, als aus der badewanne nebendran plötzlich fidel castro auftaucht: "halt ein genosse, bevor dein bart nicht länger geworden ist, solltest du dein zimmer auf keinen fall verlassen!"
"klappe castro!" ruf ich ihm zurück, er verschwindet so schnell wie er erschienen ist, und zieh meine jacke an, die dem regen wohl nicht allzu lange trotzen wird, aber es ist nicht so, als dass ich eine wahl hätte.
ich packe eine flasche rotwein in  die tasche und ziehe die tür hinter mir zu.
mit schon klammen händen schliesse ich mein treues militärvelo auf und stelle fest, das der regen hier draussen um einiges stärker ist, als von drinnen vermutet. ich hätte castro die taucherbrille klauen sollen.
bereits nach wenigen metern kleben die hosen an meinen oberschenkeln und die spiegelglänzenden strassen sind wie leergespült, als ich durch die innenstadt radle, auf der suche nach ein wenig amusement und vielleicht der nacht meines lebens.

1 Kommentare:

Auven hat gesagt…

Ich sehe du hörst auf Twain wenn er sagt: "gib jedem tag die chance der schönste deines lebens zu werden"
Eine gute Einstellung.