samstag nacht, weit nach zwölf.
die kneipe ist gerappelt voll, unzählige ellenbogen in meinem rücken kommen einer massage gleich und das bier, das in regelmässigen abständen verschüttet wird, hält meine lederjacke geschmeidig und anschmiegsam für jene köpfe, denen angesichts der raumsituation gar nichts anderers übrigbleibt.
ich zünde mir eine zigarette an, sanft und schummrig leuchtet die glut durch den dichten rauchnebel unter meiner nasenspitze hervor, als ich einen tiefen ersten zug nehme.
frische luft insofern, dass diesen rauch vor mir noch keiner eingeatmet hat, weshalb er zumindest frei von keimen und üblen mundgerüchen sein dürfte.
um mich herum kreisen laute worte wie satelliten, ich kämpfe mich zum ausgang durch, trete in die klare, klirrend kalte nachtluft hinaus und blase weissen rauch ins dunkle blau hinauf.
zäh und kühl fliesst der rhein vor mir durch, leise glitzernd, hinter einem schmiedeeisernen geländer eingepfercht, schiebt sich die schwarzglänzende masse langsam unter der brücke hindurch richtung hafen.
die winternacht hat bisher vergeblich versucht, ihn zu eis erstarren zu lassen, er bleibt stur, fliesst stoisch weiter, unbeindruckt von den menschen am ufer, dem verkehr auf der brücke und den bierflaschen, die in steter regelmässigkeit hineingeworffen werden, hin und wieder begleitet von einer vollen zigarettenschachtel und einem dreckigen lachen.
ich stütze mich aufs geländer, rauche, starre ins wasser. der rhein sieht glücklich aus heute nacht.
ich trete meine kippe auf dem boden aus, stelle das halbvolle bierglas daneben und klettere langsam und etwas umständlich auf das gestänge, balanciere auf der obersten strebe hin und her, gehe kurz in die knie und kraftvoll und elegant wie in einer duschmittelwerbung stosse ich mich ab, schwebe mit gestrecktem körper in voller spannung sicher über den schmalen ashpaltstreifen, der das untere ufer begrenzt und tauche mit einem leisen platscher ein ins dunkle nass.
der fluss zieht schwach, ich paddle zu seiner mitte hin, um den brückenpfeilern auszuweichen, die auf mich zukommen, drehe mich auf den rücken und schaue hoch zur unterseite der brücke, die sich als schwarzer balken vor den sternenhimmel dieser glasklaren nacht schiebt.
das wasser fühlt sich weich an, es trägt mich sicher, ich gebe mich dem strom hin und lasse mich vertrauensvoll treiben, harre dem ungewissen, das da kommen mag mit einer fast schon kindlichen neugier und geniesse die ruhe, während links und rechts von mir die lichter der stadt, fahrende autos und singende betrunkene an beiden ufern vorbeiziehen.
die stadt pulsiert und ich schwimme in ihrer hauptschlagader, von allem unberührt und gespannt, was diese nacht wohl noch zu bieten hat, während sich in meinem rücken ganz langsam bereits die ersten morgenstunden am himmel ankündigen und mir klar wird, dass ich keine frischen kleider dabeihabe.
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1 Kommentare:
schöne, hoffentlich nicht erlebnisbasierte story... eigtl. würde man im rhein ertrinken, oder?
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